Stoppok

Früher war nicht alles besser, jedenfalls nicht alles besser, früher war aber auf jeden Fall alles anders, wenigstens fast alles. Meine erste Schallplatte habe ich im damaligen Radio und Fernsehgeschäft „Doehlert“ in Dormagen erstanden. Die hatten auch eine Schallplattenecke. 45er und später auch 33er konnte man dort aussuchen und bei Interesse auch mal per Kopfhörer (Ein Hörer um hören, keine zwei und den musste man noch mit der Hand festhalten. Also meine erste Scheibe war eine Single mit dem Titel „Amarillo“, dieser Titel war damals in den Charts und damals hiessen Charts einfach nur Hitparade, die gab es am Wochenende im Radio von RTL Luxembourg mit Frank Elsner, manchmal auch mit Camillo Felgen. Meine zweite Platte, da war ich schon älter, war eine LP mit 33rpm und die hieß „Fireball“ von Deep Purple. Die mußte ich bei Doehlert bestellen. Solche Musik hatten die nicht im Angebot. In der Zeit war ich in Neuss auf der Schule und dort waren die großen Kaufhäuser. Neben Kaufhof auch Quelle. Das Quelle-Kaufhaus. Deren Schallplattenabteilung war deutlich größer als die von Radio Doehlert. Die finanziellen Mittel waren als Schüler damals arg eingeschränkt. Eine Schallplatte zu kaufen war eher sehr selten möglich. Aber eines Tages habe ich die zweite LP, die dritte Schallplatte überhaupt erstanden. Eben im Quelle Kaufhaus. Nach langer Betrachtung und schließlich dem Kaufbeschluss brachte ich dann die LP „Meddle“ von Pink Floyd nach Hause. Ich kannte damals die Band noch nicht, aber das Cover hatte mir sehr gut gefallen. In die Platte reinhören konnte man bei Quelle nicht. Also quasi ein „Taubkauf“. Zu Hause angekommen wurde mein Plattenspieler (Dual Koffergerät) angeworfen und gehört. Von „One of these Days“ war ich schlicht begeistert. Die anderen Stücke brauchten eine gewisse Zeit, bis ich erkannt hatte, wie genial die sind. Meine Eltern hingegen baten mich recht bald zum Gespräch und äußerten mir ihre Sorge, was das mit dieser Musik auf sich hätte, ob ich etwa Drogen nehmen würde. Guten Gewissens konnte ich das entrüstet verneinen. Mein Musikgeschmack war aber fortan verdorben. Mitte der Siebziger Jahre hörte man von einem Musikgeschäft, das dem sagenumwobenen Eldorado gleich kommen sollte. Es gab dort High-Fi Geräte in allen Preisklassen und eine unvorstellbar große Plattenabteilung. Ab da wurde alle Vierteljahre eine Wallfahrt nach Köln unternommen um „Platten zu kaufen“. Mit der Bahn zum Kölner Hauptbahnhof, dann mit U-Bahn zum „Hansa-Gebäude“. Dort war „Saturn“. Mit dem Geld, das ich investieren konnte wurde so gut wie möglich gehaushaltet. Platten gab es reichlich in verschiedenen Preiskathegorien. Alles hatten runde farbige Aufkleber und jede Farbe hatte einen bestimmten Preis. Zwei, drei Scheiben waren immer fällig. Bei genügend Barschaft auch mal mehr. Die skurilste Schallplatte bekam ich einmal von meinen Eltern als Mitbringsel aus einer Kur. „Greatest Rock-n-Roll Hits“ von Arcade. Rock-n-Roll“ war nie so mein Ding. Bis heute. Ok, man kann es hören. Muss es aber nicht. Die irreste Scheibe die ich nie bekommen hatte, war „irgendeine von den Beatles“. Kurz vor meinem Geburtstag meinte meine Arbeitskollegin Maria, dass sie schon wüsste, was ich von meiner Patentante zum Geburtstag bekommen würde. Die beiden sind sich im Bus begegnet und meine Tante fragte an, was sie denn schenken solle, denn sie wäre da unsicher das Richtige auszuwählen. Maria, die mich gut kannte empfahl ihr eine LP von den Beatles. Da war ich beruhigt, als mir Maria das erzählte. Allerdings hat sich meine Patentante für was Bleibendes entschieden, was ihr damit auf sehr gut gelungen ist. Ich werde dieses Geschenk nie vergessen. Ich bekam ein edles Geschenkpäckchen in dem drei mit meinem Monogramm versehende Einstecktaschentücher in wunderschönem Blau eingepackt waren. Glaubt es mir, sowas bleibt. Im Laufe der Jahre kamen noch viele Schallplatten, später CDs, irgendwann auch „mp3s“. Aber heute gab es wieder was Neues, letztlich doch was in altem Gewand. Die neue „Stoppok“ LP ist heute per POST geliefert worden. Vinyl ROT!!! Gleich mal anhören. Aber erst auspacken.

https://www.facebook.com/reel/713689750846937

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert